Eishockey Konturschliff (Profiling)

Kommen wir nun zum eigentlich wichtigsten Thema für Eishockeykufen. Alle Eiskunstläufer können sich bei diesem Thema entspannt zurücklehen. Eiskunstlaufkufen sind bereits bei der Anschaffung perfekt geformt. Mehr dazu erfahrt ihr beim Thema "EISKUNSTLAUF".

 

Und schon wieder bekommt der Begriff "Radius" eine große Bedeutung. Diesmal ist es aber ein anderer Radius. Wir betrachten die gesamte Form der Eishockeykufe. Ihre Optik erinnert uns an eine Bananenform. Wie eine Eishockeykufe jedoch optimalerweise geformt sein soll, erfährst du in diesem Beitrag.  Die Kufen von Billigschlittschuhen mit Schnallen und aus Plastik sind oftmals, so scheint es, tatsächlich von einer Banane abgeformt worden. Solche Kufen von günstigen Freizeitschlittschuhen sind nicht Bestandteil dieses Themas. Hierbei geht es um die hochwertigen Markenkufen z.B. von BAUER (TUUK), CCM, GRAF und den professionellen Drittkufenherstellern STEP, BLACKEDGE usw..


Dieses Thema ist keineswegs neu, weder hierzulande noch sonstwo. Schon Ende der 80er-Jahre hat man sich Gedanken gemacht, wie man aus einer Standardkufe (damals waren das die Kufen von TUUK, ICM oder PROLITE) durch Veränderung des Profils mehr Leistung und Performance für den Eisläufer herausholen konnte. Es gab hierfür sogar schon eine computergesteuerte und vollautomatische Schleifmaschine (einige kennen sicherlich noch die alten CAG-ONE Maschinen), die durch das Abtasten der Kufenform eine plan (gerade) aufliegende Gleitfläch in die Kufe berechnen, positionieren und schleifen konnte. Dieser Schliff unterbrach sozusagen mit einem geraden Bereich den Gesamtradius. Das Ergebnis war zwar ein gutes Gleiten, hatte aber deutliche Einbußen bei der Wendigkeit. Blademaster bietet mit dem MARK 6 Kontursystem heute ein optimiertes System mit zwei Radius-Kombinationen. Es gibt heute aber noch andere Möglichkeiten. Doch zuerst noch ein Paar generelle Infos.


Der Standardradius (9 Ft oder 10 Ft)

Auf dem unteren Bild siehst du einen Ausschnitt eines Kreises mit einem Radius von 9 Fuß, der den mittleren Teil der Kufe einfasst.  Würde man nun diesen Kreis zuende malen wollen, dann passt er weder auf dieses Bild, noch auf den Bildschirm. Daher gibt es hierfür oft nur schematisch ungenaue Zeichnungen. Das mittlere Profil (Arbeitsradius) einer Kufe wird in Fuss ( Abkürzung FT oder ' ) gemessen. 1 FT beträgt ca. 30cm. Unser Kreis hat also somit einen Radius von 2,7 Meter oder einen Durchmesser von 5,4 Meter. Der Umfang beträgt ganze 17m. Unsere Kufe ist also nur ein ganz kleiner Teil dieses großen Kreises.



Bei einem solchen Radius gibt es automatisch im mittleren Teil der Kufe einen kleinen Bereich, der permanent Kontakt mit der Eisfläche hat. Dieser Bereich nennt sich "Aufstandsfläche oder Auflagefläche". Bei einem Radius von 9 FT hat dieser Bereich eine Länge von ca. 3-4cm. Bei einer Neigung durch verschiedene Laufmanöver verschiebt sich dieser Bereich innerhalb der Gleitfläche nach vorne oder hinten. Bei neutraler Stellung sollte er bestenfalls in der Kufenmitte liegen. Du kannst das ganz einfach testen, indem du die Schlittschuhe auf eine gerade und ebene Fläche legst und von vorne und hinten der Kufenenden jeweils ein Blatt Papier soweit in die Mitte schiebst, bis es blockiert. Dazwischen befindet sich die Aufstandsfläche, die du dann ganz einfach messen kannst.

 

Die Neigung (Pitch):

Die Darstellung unten beschreibt den Schwerpunkt einer Kufe, wenn der Eisläufer neutral, also gerade auf dem Eis steht. Je nach Körperstellung wandert dieser Bereich aus der Mitte nach vorne oder nach hinten.  Wird diese Zone schliffbedingt von vornherein zu weit nach hinten positioniert, gibt es Probleme beim Antritt und beim Bremsen (Hockeystop). Mit zu weit nach vorne geneigten Kufen verliert man unnötig Kraft und es gibt Probleme beim Abrollen und beim Übersetzen (Cross Over). Daraus resultierend macht der Eisläufer unkontrolliert kurze Schritte und hat bei starken Kurvenlagen wenig Kontrolle über seine Schlittschuhe.

 

Grundsätzlich sollte der Schlittschuhläufer mit einem neutralen Schwerpunkt in der Kufenmitte auf dem Eis stehen. Eine Änderung der Neigung wird im englischen als "Pitch oder Lie" bezeichnet. Ein starker Pitch nach hinten (Abb. unten links) ergäbe garantiert einen völligen Kontrollverlust. Auf der rechten Abbildung wird ein übertriebener Pitch nach Vorne gezeigt. Auch hiermit wäre ein sauberes Eislaufen unmöglich.

 

Eine sehr geringe Neigung nach Vorne (minimaler Pitch) kann allerdings doch ein Vorteil haben. Stürmer, die einen sehr stark vorgeneigten Fahrstil pflegen, bekommen durch einen minimalen Pich nach Vorne (0,5 Grad) eine sehr gute Kontrolle und Dynamik beim Sprinten (Antritt). Verteidiger können durch einen negativen Pitch von -0,5 Grad nach Hinten mehr Standfestigkeit und Dynamik beim Rückwärtsfahren erlangen. Mit einem negativen Pitch sollte man allerdings sehr vorsichtig sein.  Grundsätzlich betrachten wir erstmal einen mittigen und neutralen Schwerpunkt als erste Wahl. Hiermit kann man nichts falsch machen.



Die Einteilung

Der mittlere Radius, auch Arbeitsradius, Manöver- oder Gleitfläche genannt, ist der wichtigste Bereich der Kufe. Mit diesem Teil der Kufe werden die wichtigsten Manöver gesteuert. Vorne und hinten ist die Kufe stärker gebogen, damit eine gewisse Wendigkeit und Abrollfähigkeit gegeben ist. Der mittlere Bereich kann kürzer oder länger ausfallen.  Eine neue Kufe hat von Haus aus eine Standardbiegung, die sich je nach Schuhgröße und Kufenlänge zwischen 6 ft und 11 ft unterscheidet. Ein kleinerer Radius sorgt für deutlich mehr Wendigkeit, allerdings zu Lasten der Stabilität und Laufruhe. Größere Radien haben widerrum ein Problem mit der Wendigkeit. Somit würde es also Sinn machen, einen mittleren Radius auszuwählen.

 

Noch besser wäre es allerdings, wenn man verschiedene Radien miteinander kombiniert. Große Radien für Stabilität und Laufrunhe, kleine Radien für Wendigkeit und Agilität. Eine Kombination verschiedener Radien an unterschiedlichen Positionen ist das Geheimnis einer perfekt geformten Kufe.

 

Auf dem Bild unten ist die sehr populäre Kufe der aktuellen Serie "TUUK EDGE" von BAUER zu sehen. Die zwei Elemente Holder (schwarz) und Runner (silber) lassen sich blitzschnell voneinander trennen und wieder zusammenfügen.



Kufen mit einer Länge zwichen 260mm und 290mm (Schuhgrößen 41 - 45) haben von Haus aus meist einen standardisierten Radius von 9' oder 10'. Dieser Radius verläuft einfach über den gesamten Manöverbereich. Juniorgrößen haben Kufen mit kleineren Radien (6' bis 8'. Bei einem solchen kontinurierlichen Verlauf der Biegung berührt die Kufe immer nur mit einem sehr kurzen Teilstück das Eis (siehe Aufstandsfläche).

 

Wie schon erwähnt, ist diese Standardform nicht für alle Laufmanöver gleichermaßen gut geeignet. Für einige Manöver wie z.B. Antritt und stabiles Abrollen beim Übersetzen ist ein kleinerer Radius im vorderen Bereich von Vorteil. Für Stabilität in den Kurven ist ein größerer Radius im hinteren Bereich besser geeignet.

 

Hinzu kommt noch ein weiteres Problem: Die Stahlklingen-Rohlinge, auch Runner genannt, können bei der Herstellung aus verschiedenen Produktionsstätten kommen. Es kommt immer wieder mal vor, dass sich linke und rechte Runner innerhalb eines Paares voneinander unterscheiden. Solche Ungenauigkeiten sind beim Eislaufen spürbar und sehr unschön.

 

Fazit: frisch gekaufte ungeschliffene Schlittschuhkufen haben für den jeweiligen Eisläufer noch nicht die optimale Form. Diese Optimierung der Form muss erst noch von einem Schleif-Fachbetrieb in die Kufe "eingearbeitet" werden. Geeignete Formen variieren je nach Gewicht, Laufstil, Vorlieben und Funktion als Eishockeyspieler (Verteidigung oder Sturm). Somit entstehen die sogenanten Kombinationsradien.


 Das Quad-Profil (4-facher Kombinationsradius)

 Das von vielen Spielern begehrte "Quad-Profil" vereint vier verschiedene Radien innerhalb des Manöverbereichs. Der vordere 6' Radius sorgt für einen dynamischen Druck beim Antritt, der neutrale Gleitbereich behält seine üblichen 9'. Für das Abrollen (Crossover) wird der 12' Radius eingesetzt und schlussendlich ergibt ein 15' Radius im hinteren Bereich die perfekte Stabilität bei den Kurven.


Es gibt noch diverse andere Mehrfachprofile. Einige Spieler bevorzugen eine Kombination aus drei oder zwei verschiedenen Radien, wie zum Beispiel die bekannten "Detroit-Profile" oder "Zuperia-Profile".

Mehrfachprofile sind aus der professionellen Eishockeywelt nicht mehr wegzudenken. Sie haben gegenüber der regulären Standardform eines Runners sehr viele Vorteile. Natürlich ist es nicht einfach, sofort das ideale Profil für sich selbst herauszufinden. Daher ist es von Vorteil, dass die neuen Eishockeykufen von BAUER, CCM oder GRAF die Möglichkeit bieten, schnell mal einen Runner auswechseln zu können. Ein professioneller Schleifbetrieb gibt dir die Möglichkeit, verschiedene Profile beim Training auszuprobieren. Es gibt aber eine ganze Reihe Profile, die bereits von Profispielern als herausragend getestet wurden. Hierzu gehören auch die oben erwähnten Quad-Profile.

 

Kombiniert man nun ein solches Profil z.B. mit einem Flat-Bottom Schliff, so bekommt man das absolute Optimum für seine Eishockeykufen. Zugegeben, das Schleifen solcher komplexen Formen ist sehr aufwendig und somit auch nicht ganz billig. Aber das Ergebnis rechtfertigt die höheren Kosten allemal. Das ist wirklich echtes Tuning für die Schlittschuhe.

 




Prosharp Workstation bei Doublelutz:

Prosharp ist einer der führenden u. innovativsten Schleifmaschinenhersteller auf der Welt. Mit unserer automatischen Maschine  (Modell Allpro SC 2001 Workstation) werden die bekannten Eishockey-Profile "Zuperior, Toronto, Detroid oder Quad" geschliffen. Die Auswahl des Profils ist in der Tat keine leichte Aufgabe. Mittlerweile wurden schon so einige Profile sowohl an professionellen Eishockeyspielern als auch an talentierten jugendlichen DNL-Spielern getestet. Dabei sind je nach Laufstil und Fahrkönnen einige Muster zu erkennen gewesen, nachdem die jeweiligen Spieler ihr Lieblingsprofil bestimmt hatten. Mit diesem Wissen kann man in Zukunft leichter auf die Bedürfnisse neuer Spieler oder Eisläufer eingehen.

 

Es gibt natürlich auch immer Sportler, die mit den werksseitigen Einfach-Profilen der Runner ganz gut auskommen bzw. daran gewöhnt sind. Zu dieser Auswahl spricht natürlich grundsätzlich nichts dagegen, wenn alle Laufmanöver von Anfang an gut funktionieren. Nun ist es so, dass nach jedem normalen Nachschleifen der Kanten auch die Form der Runner leicht verändert wird. Nach und nach verliert die Kufe somit ihre Originalform. Auch diesem Problem kann mit einem "Refinish" des Profils wieder abgeholfen werden.

 

Bei den Analysen der Laufeigenschaften wird besonders auf die Manöver geachtet, die dem Eisläufer im Ansatz schon Schwierigkeiten bereiten. Insbesondere, wenn einzelne Disziplinen, wie z.B. das schnelle und saubere Abrollen beim Übersetzen, nicht wie zuvor gewohnt reibungslos funktionieren, liegt in der Regel ein Problem mit dem Profil der Runner vor.


Download
Datenblatt der verschiedenen Profile (englisch)
Templates Prosharp.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.0 MB

Für die verschiedenen Profile gibt es ein Datenblatt von Prosharp (schwedisch und englisch).