Der Hohlschliff bei Schlittschuhkufen

Grundsätzlich brauchen alle Schlittschuhkufen scharfe Kanten um stabil über das Eis zu gleiten. Jede Kufe hat zwei Kanten: eine Außen- und Innenkante. Das linke Bein steuert mit seiner Außenkante eine Linkskurve und das rechte Bein eine Rechtskurve. Mit der Innenkante ist es umgekehrt.



Scharfe Kanten alleine reichen jedoch noch nicht aus. Eine Kufe mit rechtwinkligen (90 Grad) Kanten würde solange seitlich wegrutschen, bis der Eisläufer sie mit ca. 45 Grad geneigt hat. Erst dann würde eine gewisse Griffigkeit eintreten. Diese Art Unsicherheit mit Überraschungseffekt ist bei vielen Anfängern zu beobachten, die vergessen haben, ihre Schlittschuhe nach dem Kauf das erste Mal schleifen zu lassen.

 

Damit die beiden Kanten nun aus jeder Position in das Eis schneiden können, befindet sich zwischen ihnen ein Hohlraum. Dieser Hohlraum ist tatsächlich nur für die Kantenschärfe verantwortlich. Er hat nichts mit einem Wasserfilm zu tun, der unter ihm hindurchfließen muss, damit die Kufe gleiten kann. Die Schlittschuhkufe würde auch ohne diesen Hohlraum durch den Druck des Körpergewichts einen Wasserfilm zwischen Eisfläche und Kufe erzeugen und könnte auf ihm gleiten. Sie hat jedoch keine seitliche Stabilität. Erst der Hohlraum zwischen den Kanten sorgt für ein stabiles Gleiten ohne seitliches Wegrutschen.

 

Wir bezeichnen einen Schliff mit Hohlraum allgemein als „Hohlschliff“. Diese „konkav“ geformte Hohlkehle kann stärker oder schwächer ausfallen. Änderungen an der Tiefe des Hohlraums haben Einfluss auf die Kantenschärfe und somit auf die Griffigkeit der Kufen. Je tiefer der Hohlraum, desto spitzer ist der Kantenwinkel. Die Kufe schneidet stärker in das Eis. Umgekehrt ist das bei einem flacheren Hohlraum. Jetzt könnte man meinen: je griffiger, desto besser. Eine stärkere Griffigkeit geht jedoch zu Lasten der Gleitfähigkeit. Schärfere Kanten verursachen deutlich mehr Widerstand, da sie über das Körpergewicht des Eisläufers stärker in das Eis gedrückt werden. Ein sehr flacher Hohlschliff gleitet sehr viel schneller mit deutlich weniger Widerstand. Er ist jedoch seitlich instabiler. Die Kanten müssen aktiver durch den Eisläufer in das Eis gedrückt werden.

 

Somit gilt es beim Hohlschliff die richtige Tiefe zu finden. Deshalb gibt es für Eishockey- und Eiskunstlaufschlittschuhe eine „typische Bandbreite“ an verschiedenen Hohlschliffen, die sich für den jeweiligen Einsatzbereich bewährt haben.

 

Die Hohlkehle wird mit einem Radius angegeben. Dieser Hohlradius wird in englischen als „Radius of Hollow“ (ROH) bezeichnet. Der ROH bewegt sich bei Eishockeykufen zwischen ca. 8 und 20mm, bei Eiskunstlaufkufen zwischen 9 und 22mm. Je kleiner der Radius, desto tiefer ist die Hohlrinne. Der Unterschied des ROH zwischen diesen beiden Kufenarten ist somit gar nicht so groß. Er hat jedoch aufgrund der unterschiedlichen Kufenbreiten zwischen Eishockey- und Eiskunstlaufkufen eine andere Wirkungsweise.


Für den ROH 5/8 muss der gute Schweizer Franken herhalten. Dafür reichen unsere Euromünzen nicht aus.


Nur zur Erinnerung: ein Radius entspricht der Hälfte eines Durchmessers.

Legen wir nun eine 2-Euromünze mit einem Durchmesser von ca. 25mm mit einem Teil ihres Umfangs in eine dazu passende Hohlkehle, dann passt diese Münze genau in einen ROH von 12,5mm. Dieser Radius entspricht übrigens einem mittelscharfen Hohlschliff, der bei sehr vielen Eissportlern beliebt ist. Die kleinere 1-Euromünze passt besser in eine 11mm Hohlrinne. Dieser etwas griffigere Hohlradius ist ebenfalls sehr beliebt.

 

In Kanada und den USA wird der Hohlradius (ROH) in Inch oder Zoll ( " ) angegeben. Equivalent zu unseren Millimeterangaben sind hier die Radien als Bruchzahlen in 1/16-Schritten gestuft. Ein sehr tiefer Hohlschliff ist ein 6/16", und da Bruchzahlen gekürzt werden, ist der ROH ein 3/8" (9,5mm). Unser mittlerer 2 Euro-Radius entspricht  ca. einem 8/16", also 1/2“ (12,7mm). Ein sehr flacher Hohlschliff ist z.B. der ROH 3/4" (19mm). Und dann gibt es noch die Stufen dazwischen.

 

Wer seinen Lieblingsradius noch nicht genau kennt, fängt am besten mit einem 1/2" an und tastet sich je nach Vorliebe jeweils in die größeren oder kleineren Radien. Schon sehr bald wird man seine Lieblingsschärfe herausfiltern können. Ein wichtiger Indikator ist u.a. die Härte des Eises. Die Eisflächen von sehr stark runtergekühlten Eissporthallen oder Außenflächen bei Minustemperaturen erfordern oftmals etwas mehr „Grip“ als weichere Eisflächen in beheizten Eishallen. Keinen richtigen Sinn mehr machen tiefe Schliffe unterhalb 8mm oder sehr flache Schliffe über 22mm.

 

Es gibt beim Hohlschliff noch etwas sehr wichtiges zu beachten:

Um präzise und sauber über das Eis gleiten zu können, müssen beide Kanten immer auf gleicher Höhe geschliffen werden. Das bedeutet für den Schleifbetrieb, dass die Position des Scheitelpunkts auf der konvex geformten Schleifscheibe immer genau mittig zwischen den beiden Kanten sein müss. Die Position muss komplett über den gesamten Kufenverlauf beibehalten werden.


Messvorrichtung für das Sicherstellen von gleich hohen Kanten:

Achte nach dem Schleifservice unbedingt darauf, dass der Schleifer die Kantenhöhen mithilfe eines solchen Messinstruments kontrolliert. Fehlen im Schleifbetrieb Instrumente dieser Art, dann lass deine Schlittschuhe dort lieber nicht schleifen. Mit bloßem Auge ist es nicht erkennbar, ob beide Kanten gleich hoch sind.


Ist eine der beiden Kanten höher oder tiefer als die Andere, dann rutscht der Eisläufer einseitig weg bzw. greift dafür die Gegenkante zu stark in das Eis. Beide Effekte sind für den Eisläufer sehr unschön. Gefährlich kann es dann beim Kantenwechsel werden. Wird von einer zu tief stehen Kante auf die höherstehende Kante gewechselt, kann das dazu führen, dass dabei die Kufe komplett verschneidet oder im Eis steckenbleibt. Ein Sturz ist dann häufig die Folge.