Der Eiskunstlauf-Schliff

Die Auswahl der richtigen Kufe ist um einiges komplizierter als bei Eishockeyschlittschuhen. Während Eishockeykufen standardisiert ausgeliefert und nachträglich über einen Formschliff optimiert werden (Profiling). entscheidet man sich bei einer Eiskunstlaufkufe vor dem Kauf für die ideale Form. Diese darf beim Schleifen in keinster Weise verändert werden. Das macht das Schleifen von Eiskunstlaufschlittschuhen so besonders schwierig.

 

Genau deshalb muss noch viel mehr darauf geachtet werden, dass nur ein spezialisierter Eiskunstlauf-Fachbetrieb an die Kufen herangelassen wird. Ein normaler Freizeit-Schleifservice, wie er in vielen Eishallen anzutreffen ist, tut sich oftmals schon bei den Hockeyschuhen schwer. Bei deinen hochwertigen Kunstlaufkufen entscheidet ein falscher Schleifservice zwischen gut und böse. Der kleinste Fehler kann die Kufen unbrauchbar machen.



Blademasters hochpräzise Schleifmaschine für Eiskunstlaufkufen mit besonders kleinen und fein gekörnten Schleifscheiben.


Der Schleifvorgang:

Der Schliff vom Tail bis zu den Zacken muss über spezielle Eiskunstlauf-Schleifscheiben erfolgen. Diese Scheiben sind vom Durchmesser deutlich kleiner und feinkörniger als Schleifscheiben für Hockeyschuhe. Der Grund dafür sind die Sprungzacken am vorderen Ende der Kufe. Mit einer normalen Hockeyschleifscheibe ist die Gefahr sehr groß, die untere Zacke mit anzuschleifen. Passiert so etwas, dann ist das das vorzeitige Ende einer Eiskunstlaufkufe.

 

Selbst mit der Benutzung eines Zackenschutzes (Abdeckkappe) würde mit zu großen und groben Schleifscheiben der vordere Bereich nur sehr unsauber geschliffen werden. Der Schleifvorgang endet entweder zu früh oder es entstehen Verformungen direkt vor dem Zackenbereich. Deshalb sind bei einem Eiskunstlaufschliff diese kleinen und extrem feinkörnigen Schleifscheiben so wichtig.

 

Im vorderen Bereich kurz vor den Sprungzacken kann nur mit einer kleinen Querscheibe sauber geschliffen werden. Diese Scheibe sollte ungefähr den Hohladius des gesamten Schliffs abdecken, also nicht größer als 4cm im Durchmesser sein. Der Übergang zum Längshohlschliff erfolgt dabei fließend.



Ist ein Schleifbetrieb nicht in der Lage, mit solchen speziellen Scheiben schleifen zu können, solltest du deine Schlittschuhe dort nicht zum Service geben. Einige wenige Fachspezialisten schleifen sogar den gesamten Bereich mit einer quer zur Laufrichtung rotierenden Scheibe. Diese Technik ist zwar nicht mehr ganz auf dem heutigen Stand, aber trotzdem sehr gut für einen Kunstlaufschliff geeignet. Nach dem Schleifvorgang ist allerdings eine sehr aufwändige Politur erforderlich, damit keine Querrillen den Gleitvorgang behindern. Der Hohlradius wird durch die Größe dieser Querscheiben festgelegt, die auf der Schleifmaschine montiert sind. Daher ist diese Variante etwas unflexibel, wenn es um eine Änderung des Radius geht. Dazu bekommt der Läufer einen immer unterschiedlichen Radius, je nachdem, wie abgenutzt die Scheibe gerade ist.

 

Die optimale Lösung ist die Kombination aus Quer- und Längshohlschliff. Der Längshohlschliff hat sehr gute Gleiteigenschaften und individuelle Einstellungsmöglichkeiten des ROH (Hohlradius), der Querschliff gleicht die vordere Sektion aus, die mit einer Längsscheibe nicht erreicht werden kann. Dieser Bereich von ca. 1cm vor den Zacken kommt übrigens nie in Kontakt mit dem Eis. Deshalb kann hier auf eine Politur verzichtet werden. Das Finishing, also der letzte Schleifvorgang sollte aber grundsätzlich mit einer sehr feinen Scheibe geschliffen werden. Ein Ausgleich der vorderen Sektion mit einer Querscheibe ist allerdings nicht bei jedem Nachschleifvorgang erforderlich.

 

Sollte nun bei einem unqualifizierten Schleifbetrieb doch etwas schief gegangen sein (kommt leider oft vor), so muss abgewägt werden, ob noch etwas zu retten ist oder gar ein Neukauf notwendig wird.

 

Schleifen mit Prosharp-Systemen:
Eiskunstlaufkufen werden bei einigen Fachhändlern mit einer der automatischen Prosharp-Maschinen geschliffen. Hierzu muss man wissen, dass diese Maschinen primär für das Schleifen von Eishockeykufen entwickelt wurden. Die vielen Einstellungsmöglichkeiten und die Genauigkeit einer Prosharp erlauben jedoch auch bedingt das Nachschleifen von Eiskunstlaufkufen. Die Voraussetzung ist, dass sich der Bediener genau mit der Maschine auskennt, die richtige Scheibe montiert und den Anpressdruck sauber eingestellt hat. Der Nachteil dieser Maschinen liegt, wie oben beschrieben, bei der reinen Verwendung der Längshohltechnik mit etwas zu großen Schleifscheiben.

 

Eine weitere Fehlerquelle bei den Prosharp-Maschinen ist der harte Ansatz im Tail (dem Kufenende). Hier gehen die Scheiben von Prosharp leider etwas zu "sportlich" ran und runden das Tail mit der Zeit ab. Die Maschine weiss leider nicht, ob gerade eine Hockey- oder Kunstlaufkufe eingespannt ist.

 

Hohlradius oder Flat-Bottom?

Der Hohlradius für Eiskunstlaufkufen entspricht dem für Eishockeykufen. Eiskunstlaufkufen haben jedoch eine breitere Lauffläche. Die Kanten haben zueinander einen höheren Abstand. Deshalb wirkt sich der Hohlradius stärker aus. Für normale Kürdisziplinen bewegen sich die Hohlradien zwischen 5/8" und 3/8" Inch. Sehr häufig wird der 1/2" und der 7/16" Hohlradius ausgewählt. Der allgemeine Trend geht wieder zu einem etwas griffigeren ROH (Radius of Hollow). Die heutigen Blademaster Hochleistungsschleifmaschinen können die Kanten so sauber schleifen, dass selbst ein perfekter 3/8" Radius noch sehr drehfreudig sein kann. Eistanzkufen sollten generell etwas tiefer geschliffen werden (7/16" oder sogar 3/8").

 

Für professionelle Eiskunstlaufkufen ab der Leisungsstufe P ist der Flat-Bottom Schliff ebenfalls sehr gut geeignet. Einige wenige Fachbetriebe schleifen diesen Schliff für viele der besten Eiskunstläufer/innen und wählen dabei zumeist die Variante von Blackstone FBV in der Schärfe 100/75 aus. Und die Eisläufer/innen lieben diesen Schliff.

 

Das Profil der Kufe (Rocker):

Wie schon zuvor erwähnt, haben Eiskunstlaufkufen bereits das richtige Profil von Haus aus. Es gibt jede Menge unterschiedlicher Profile, die du beim Kauf auswählen kannst. Kufen für Anfänger oder Fortgeschrittnene haben meist ein Zweifachprofil.


Die MK Professional: Wir sehen hier sehr schön, wie diese Kufe bereits einen 2-Fach kombinierten Radius hat. Der Gleit- und Manöverbereich ist bei der Professional mit 7 FT gekrümmt. Der vordere Dreh- und Sprungbereich ist mit 12 Inch viel kleiner.


Es gibt eine ganze Menge an verschiedenen Kombinationen des Rockers. Bei der professionellen Kufe Pattern 99 von John Wilson oder der MK Phantom sind die Sektionen der Kufe in drei Teile unterteilt. Desweiteren gibt es bei der Gleitfläche auch die Möglichkeit, einen etwas flacheren 8 FT-Radius auszuwählen. Dieser Radius sorgt dann für etwas mehr Laufruhe.


Bei dieser professionellen Pattern 99 Revolution gibt es drei Sektionen mit verschiedenen Radien. Der Hauptradius  mit 8 FT sorgt für eine bessere Laufruhe. Die Drehfreudigkeit wird durch einen zusätzlichen 27" Radius präzisiert. 


Die Zacken:

Die vorderen Absprungzacken haben mit dem eigentlichen Schleifvorgang nichts mehr zu tun. Wir haben ja gelernt, dass die Zacken auf keinen Fall durch eine Schleifscheibe berührt werden dürfen. Auch anderweitig kann man die Zacken nicht verändern. Du musst also schon beim Kauf wissen, welche Art von Zahnung du für deine Leistungsstufe haben möchtest.  Viele Hersteller präsentieren ihre Kufen auf ihren Webseiten sehr detailiert und erklären, worauf es ankommt. Allerdings gibt es in diesem Bereich nur englischsprachige Informationen. Du kannst also mithilfe dieser Infos deine Lieblingskufe auswählen.

 

Anfängerkufen im Bereich A+ haben die Zahnung etwas weiter oben angesetzt. somit ist ein höherer Einsteckwinkel erförderlich. Der Grund hierfür ist, dass Anfänger sehr gerne über zu große untere Zacken stolpern. Dafür hat man den Drehbereich etwas großzügiger ausgelegt. Die Kufe dreht zwar etwas ungenauer, aber dafür in einem größeren Bereich fehlerverzeihender. Erste Sprünge können problemlos geübt werden. Bekannte Einsteigerkufen sind die MK 21, die John Wilson Majestik oder die Ultima Mirage.

 

Geht es dananch fortgeschrittener weiter (F oder F+), dann verändern sich Zahnung, Sprung- und Drehbereich. Die Kufen bekommen schon etwas tiefer angesetzte Absprungzacken oder einen etwas stärkeren "Toe-Pick" für Axel und Lutz. Außerdem sind die Zacken im mittleren Bereich bei einigen Kufen kreuzweise angeordnet (Crosspick). Hiermit wird das Einstechen ins Eis aus verschiedenen Winkeln erleichtert. Der Drehbereich ist nun schon genauer positioniert und definiert. Das erfordert auch eine bessere Technik, die dann, falls vorhanden, auch besser umgesetzt werden kann.

 

Im professionellen Bereich ist die Auswahl grenzenlos. Verschiedenste Kombinationsradien mit den unterschiedlichsten Zahnungen werden angeboten. Du hast die Quahl der Wahl. Bei der Auswahl sollte dir dein Trainer bzw. deine Trainerin behilflich sein. Nur er oder sie kennen deine Eigenarten und Vorzüge. Zusammen mit einem qualifizierten Fachbetrieb findest du garantiert die richtige Kufe. Dazu kommt zum Schluss auch noch der Gewöhnungsfaktor.